Mit Schach und Musik gegen Corona

Wie können wir dem Corona-Koller entrinnen? Die Musik bietet sich an und – Schach! Glücklich die Zeitgenossen, die bei Hausmusik oder bei einer Schachpartie in diesen tristen Corona-Zeiten eine Ablenkung finden. Schach in Verbindung mit Musik –  da denkt man im Schachclub Turm Illingen unweigerlich an den in diesem Frühjahr mit 72 Jahren verstorbenen Paul Baltes-La Roche. Paul gehörte ein halbes Jahrhundert zum SC Turm. In den Achtzigern und Neunzigern war er Turm-Stammspieler. Kaum ein Schachfest, bei dem uns Paul nicht mit seiner Gitarre und seiner herausragenden Stimme erfreute. 
Als Verehrer sowohl von Caissa, der Göttin des Schachs, als auch von Euterpe, der Muse der Musik, hat Paul berühmte Vorgänger. Zwei sollen genannt werden: der Franzose André Danican Philidor und der Russe Mark Jewgenjewitsch Taimanow. Philidor war Komponist, lebte von 1726 bis 1795. Er  galt als bester Schachspieler seiner Zeit. Nach ihm ist eine Schacheröffnung benannt, die Philidor-Verteidigung.
Nun zum zweiten musikalischen und zugleich schachlichen Überflieger, zu Taimanow. Er starb erst vor vier Jahren, mit neunzig. Taimanow besuchte die Leningrader Musikschule, schloss sein Klavierstudium mit Auszeichnung ab. Zusammen mit seiner Ehefrau Ljubow brillierte er mit Werken für zwei Klaviere. Taimanow war mehrfacher russischer Schachmeister. Die Taimanow-Variante 1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sc6 der Sizilianischen Verteidigung trägt seinen Namen. 1993 und 1994 wurde Taimanow zum Abschluss seiner langen Karriere zweimal Seniorenweltmeister.
Noch ein Jahr älter als Taimanow, nämlich 91, wurde eine andere schachlich-musikalische Ausnahme-Erscheinung: der kürzlich verstorbene Ennio Morricone. Der Oscar-Gewinner erlangte Weltruhm durch seine Filmmusik in einer Reihe von Western, insbesondere durch „Spiel mir das Lied vom Tod“. In jungen Jahren wollte Morricone Schachprofi werden, entschied sich aber aus finanziellen Gründen für die Musik. Ein Leben lang blieb er dem Königlichen Spiel treu, nahm gern an Simultanspielen teil. Er war es, der Weltmeister Boris Spasski ein viel beachtetes Remis abtrotzte.   

Ein Großer in Schach und in Musik: Mark Taimanow

Unvergessen: Philidor

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