Viel Licht und ein bisschen Schatten beim Schachclub Turm Illingen

Submitted by Wolfgang Weber on Fr, 03/16/2018 - 09:15
Fritz und Viktor

Turm I auf Abschiedstour

Drei Aktiven-Mannschaften hat der SC Turm letzte Saison ins Rennen geschickt. Für Turm II in der Saarlandliga und Turm III in der Kreisliga ist die Saison vorbei. Das Abschneiden der beiden Teams ist respektabel: Turm III, wo der Turm-Nachwuchs im Kampf mit den „Großen“  seine Schach-Erfahrungen sammelt, überrascht als Vizemeister hinter dem SC Saarwellingen.
Turm II, angetreten mit dem bescheidenen Ziel, die Saarlandliga zu halten, landete auf Platz 6, punktgleich mit dem Tabellenfünften, der SG GEMA St. Ingbert/Lebach. In der letzten Begegnung hatte man in Turm Winterbach einen hochkarätigen Gegner, der als Tabellenerster künftig in der Oberliga Südwest spielen wird. Die 2:6-Niederlage überrascht nicht. Mit Thomas Schuh und Andreas Hauer fehlten schließlich die beiden Illinger Spitzenbretter, auch Uwe Bätz fiel aus. Wieder mal ein Anlass, den Turm-Nachwuchs ins Feld zu schicken. Dessen Bester, Luca Zimmer, jüngst Landesmeister der U18 geworden, durfte nicht mehr ran, denn Luca hatte bereits fünfmal in Turm II gespielt. Keine Partie hat der Illinger Hoffnungsträger verloren, sensationell 4 aus 5 geholt. Drei aus der Illinger U14 bekamen in Winterbach ihre Chance und boten ihren renommierten, Oberliga erfahrenen Gegnern einen tollen Kampf, der Mannschaftsführer Friedrich Henschel ins Schwärmen brachte: „Unsere drei Jugendspieler Lukas Siemann, Felix Schuh und Jonas Feidt schlugen sich hervorragend. Lukas hatte mit seiner DWZ von 1191 gegen einen Gegner, der 650 DWZ- Punkte mehr hat, mit den schwarzen Steinen bis tief ins Endspiel eine ausgeglichene Stellung. Und Jonas hatte gegen einen Gegner, der 730-DWZ Punkte mehr hat, im Endspiel sogar leichte Vorteile, die jedoch leider "nur" zum Remis reichten“. Zu diesem Remis gesellte sich noch das von Viktor Siebert, ein sehr glückliches: „ Meine Stellung war aussichtslos, nur durch eine Unachtsamkeit von Manfred Hell konnte ich Zugwiederholung erzwingen!“  Den einzigen Illinger Sieg erkämpfte an Brett 1 Patrick Kuhn gegen den starken Thomas Becker, voriges Jahr Dritter des Meister-A-Turniers. Patrick arbeitet seit geraumer Zeit als IT-Fachmann in Zürich, schaffte trotzdem häufig den Weg in die alte Heimat zu seinen Schachkameraden. In Turm II holte er starke 3,5 aus 4. Auch in Turm I war Patrick zweimal eingesetzt, eine Partie gewann er, in der anderen musste er seinem Gegner gratulieren. Unverzichtbare Stütze von Turm II ist Oldie Viktor Siebert, 66, vor sechs Jahren saarländischer Seniorenmeister. Viktor, eifrigster Punktesammler des SC Turm, spielte in allen 9 Begegnungen, verlor kein Match, holte 6,5 aus 9.
Dreimal war Viktor auch in Turm I eingesetzt, gewann zweimal. Dem Illinger Flaggschiff half das nicht. Zwei Runden vor Schluss kann nur noch ein Wunder den Klassenerhalt sichern. Zu viel lief schief in der letzten Saison, insbesondere konnte der Rückzug zweier Stammspieler nicht verkraftet werden. Der „Fahrstuhl-Club“, wie Stefan Blasius, der frühere Pressewart des SSV, den SC Turm taufte, ist mal wieder auf Talfahrt. Siebenmal ging’s bisher zwischen Oberliga und Saarlandliga rauf und runter, wie Turm-Chronist Wolfgang Weber auflistet. „Wir haben keinen Sponsor, keine bezahlten Spieler, sind ans Auf und Ab gewöhnt“, kommentiert Weber, lange Zeit Turm-Vorsitzender, jetzt Ehrenvorsitzender. „Und neben dem Tabellenletzten Trier sind wir die Einzigen, die keinen Titelträger in unseren Reihen haben, keinen Großmeister, keinen Internationalen, keinen Fide-Meister“.  Zum Vergleich: beim Tabellenachten SVG Saarbrücken, gerade mal vier Pünktchen besser als Turm I, spielen sieben Titelträger. Beim Tabellenersten Remagen-Sinzig, dem nächsten Gegner von Turm I, rangieren vorn drei Großmeister, dahinter zwei Internationale und drei Fide-Meister. „Auch bei uns hätten einige das Zeug zum FM“, so der Turm-Vorsitzende Thomas Biehler, 1986 Deutscher Jugendmeister, mit 19  Jahren Gewinner des Saarländischen Meister-A-Turniers. „Aber bei uns gingen Studium, Beruf und Familie vor, für zeitraubende internationale Turniere war kein Platz!“ 
Gram  über den wahrscheinlichen Abstieg von Turm I –  Fehlanzeige! Die ausstehenden beiden Spiele sollen mit Würde absolviert werden, dann heißt es nach vorne schauen. Gutes Schach wird auch in der saarländischen Nobelklasse gespielt, in der Saarlandliga. Gut möglich, dass Turm I nach kurzer Abwesenheit seine Visitenkarte wieder in der Oberliga abgibt.
Foto: Links Friedrich Henschel gegen Hanno Spengler, daneben Viktor Siebert gegen Manfred Hell