Finalrunde Neuwied

Die zentrale Abschlussrunde der Schach-Oberliga Südwest fand in Neuwied statt. Das Ziel der Ersten vom SC Turm war klar: Es genügten 1,5 Punkte gegen Mainz, und der Klassenerhalt war sicher. Denn bei zwei Absteigern wären dann das abgeschlagene Mutterstadt und auch Mainz hinter dem SC Turm.

Illingen trat mit breiter Brust an, schließlich hatte man in den vorangegangenen Begegnungen die favorisierte SVG Saarbrücken und den Aufstiegsaspiranten Heidesheim geschlagen. Mainz kam mit vier Titelträgern, einem Großmeister, einem Internationalen und zwei  Fidemeistern.  Den Domstädtern nutzte das nichts:  Statt der anvisierten 1,5 Punkte hatten die Mannen um Frank Mayer am Schluss satte 5 Zähler auf dem Konto!      

 SC Turm Illingen I   -   TSV Schott Mainz II     5:3

Die Ergebnisse im Einzelnen: 

 1   Mayer, Frank                       1 : 0      GM Lanka, Zigurds         

 2   Klein, Joachim                    ½ : ½     Mueller, Marco          

 3   Schmidt, Johannes             ½ : ½     FM Armbrust, Florian      

 4   Schumacher, Christoph       ½ : ½     Seidler, Lukas          

 5   Rueckert, Helge                 ½ : ½      Cremer, Kevin          

 6   Traub, Boris                       ½ : ½      FM Vogler, Tillmann        

 7   Biehler,Thomas                  ½ : ½       IM Werner, Dimo            

 8   Goeltzer, Oliver                   1 : 0       Brandl, Lea Maria

Durch den Sieg beim Finale rückt der SC Turm auf Platz 6, punktgleich mit dem Fünften Worms. Kurios: Das Konto der Illinger ist total ausgeglichen. Von 18 möglichen Mannschaftspunkten holte man 9, von 72 möglichen Brettpunkten 36. Bemerkenswert die Bilanz gegen die Spitzenteams: Gegen Landau, den Oberliga-Meister und Aufsteiger in die 2. Bundesliga, spielte man remis, gegen den Zweiten Schwarzenbach verlor man knapp, der Tabellenvierte, Aufstiegsaspirant Heidesheim, wurde in Heidesheim besiegt. Alle Teams der Oberliga haben Titelträger, der SC Turm keinen einzigen. Die Erklärung ist einfach: Um FM, IM oder gar GM zu werden, muss man auf gut besetzten Turnieren, die oft bis zu einer Woche dauern, Punkte sammeln. Die Illinger nehmen sich diese Zeit nicht, bei ihnen stehen Studium, Beruf und Familie im Vordergrund. Schach ist für sie ein Hobby, „die schönste Nebensache der Welt“.  

Ohne die Leistung der übrigen schmälern zu wollen, sei aus den 13 eingesetzten Spielern ein Turm-Quintett hervorgehoben. Frank Mayer holte am Spitzenbrett 50%, gewann nicht nur gegen GM Lanka, sondern remisierte auch gegen den Klassenprimus, FM  Johannes Carow.  50% erkämpften auch Johannes Schmidt an Brett 3 und Christoph Schumacher an Brett 5. Eine Bank waren Boris Traub und Thomas Biehler an den Brettern 7 und 8. In der vorangegangenen Saison waren beide die „Lebensversicherung“ für Turm II in der Landesliga, jetzt trugen sie maßgeblich zum Klassenerhalt von Turm I in der Oberliga bei. Thomas verlor keine Partie, schaffte 5,5 aus 9. Und Boris war mit 7 aus 9 der beste Spieler an Brett 7, wurde nach dem Finale in Neuwied mit einem Pokal  geehrt.      

Fünf der acht  Brettmeister der OL Südwest: ganz links Boris Traub, neben ihm Michael Hammes (Koblenz), dann die beiden Heidesheimer Gipfelstürmer Johannes Carow und Thore Perske, geehrt für Brett 1 und 2 (!), ganz rechts noch ein junger Wilder, der frischgebackene Saarlandmeister Ronny Müller (Schwarzenbach).

Weitere Fotos links unter "Bilder", Finalrunde Neuwied.

Nach einer stressigen Woche hatte nun auch Johannes Zeit für einen Kommentar. Er fand Mitte der 80-er Jahre in der damals höchst erfolgreichen Turm-Jugend zum Königlichen Spiel (s. links in der Chronik das Kapitel "Die Zeit von 1983 bis 1988"). Bis heute hält er seinem Club die Treue, kommt von seinem Wohnsitz in Köln zu den Spielen seiner Mannschaft.

Bericht zum Spielverlauf von Mannschaftführer Johannes Schmidt:

Für mich überraschend schnell erreichten wir die zum Klassenerhalt notwendigen 1.5 Punkte. Wie oben schon erwähnt, trat Mainz mit vier Titelträgern an. Damit hatte Illingen die stärkste Mainzer Mannschaft als Gegner, die für den TSV Schott Mainz in dieser Saison am Brett saß.  Immerhin hätte das Mainzer Team uns mit einem hohen 7:1 Sieg noch überholen können.

Als erster nutzte Helge den hohen Zeitverbrauch seines Gegners. Kevin Cremer hatte schon sehr viel Zeit investiert, um sich einen kleinen Vorteil zu erarbeiten. Helges Remisangebot fiel in dieser Situation auf fruchtbaren Boden, und unser erster halber Punkt war klar.

Als nächster beendete unser Präsi Thomas seine Partie. Im Duell der Altstars glich er souverän mit den schwarzen Steinen die Partie aus. IM Werner bot ihm darauf ein Remis an, das dankend angenommen wurde.

Parallel dazu hatte ich, ebenfalls mit den schwarzen Steinen spielend, ein Remisangebot auf dem Tisch. Als Thomas mit seinem halben Punkt zum Turnierleitertisch marschierte, zögerte ich nicht mehr und willigte ein. KLASSENERHALT gesichert!

Mit 1.5 Punkten auf dem Konto konnte der Rest der Mannschaft, der sich ebenfalls schon ordentliche Stellungen erspielt hatte, beruhigt weiterspielen. Aufgrund unserer bereits erreichten Brettpunkte war Mainz nicht mehr in der Lage, uns in der Tabelle zu überholen.

Der Kampf plätscherte vor sich hin. Als nächstes einigten sich Christoph und sein ebenfalls nominell deutlich stärkerer Gegner auf ein Unentschieden. Da die verbliebenen vier Partien gut für uns aussahen, zeichnete sich unser Sieg bereits ab.

Oliver steuerte dann als erster einen ganzen Punkt zum Mannschaftsergebnis bei. Seine Gegnerin war deutlich überfordert mit seinem schnellen aber trotzdem sicheren Spiel. Am Ende zeigte seine Uhr fast zwei Stunden mehr an. Ein Kuriosum, das Olivers Dominanz unterstreicht und das nicht jeden Tag vorkommt!

Der nächste halbe Punkt geht auf das Konto von Boris. Unser Punkteprimus, geplagt von einer Erkältung, brauchte viel Zeit und traf leider nicht immer die beste Entscheidung. Sonst hätte er höchstwahrscheinlich auch in dieser Partie einen ganzen Punkt eingefahren.

Frank kämpfte dann an Brett 1 Großmeister Lanka nieder. Nachdem Frank  in der Eröffnung einen Bauern gewonnen hatte, startete der GM einen scharfen Gegenangriff, den unser „FM“ souverän parierte. Kurz vor Schluss vergriff sich Frank noch, so dass der GM bei bestem Spiel noch Remischancen gehabt hätte. Beide bemerkten dies zunächst nicht. (Erst später, auf dem Rückweg am Steuer sitzend, fiel Frank schlagartig sein Malheur auf.  Nichtsdestotrotz kamen alle Mitfahrer gesund zu Hause an.)

Den Mannschaftssieg hatten wir damit bereits in der Tasche. Die Partie von Joachim endete nach langem Kampf auch noch unentschieden. Endergebnis: 5:3 für Illingen. Keine Partie verloren und der dritte Sieg in Folge!

Last but not least müssen auch die fünf eingesetzten Ersatzspieler Erwähnung finden. Sie sprangen bereitwillig ein, wenn einer der ersten Acht fehlte. Keiner schloss mit negativer Bilanz ab, sie holten fünf von sieben möglichen Punkten. Sensationell! Ein großes Dankeschön deshalb an Anke, Til, Thomas, Viktor und Oliver. Da die Kämpfe immer eng waren, habt ihr einen wichtigen Beitrag zum Klassenerhalt geleistet!