Befreiungsschlag: SF Heidesheim – SC Turm Illingen 3,5 : 4,5

Ergebnisse im Einzelnen:

Johannes  Carow  –  Frank Mayer           remis   

Thore  Perske –  Joachim Klein                 1-0  

Andreas  Haasler  –  Johannes Schmidt    remis

Elmar Karst –  Christoph Schumacher       remis 

Dirk  Loef –   Dr.  Helge Rückert                remis

Steffen  Enzmann –  Boris Traub               0-1

Annelen  Carow A. –  Thomas Biehler        0-1

Christoph  Klein  –  Viktor Siebert            remis

Hier das Spielprotokoll von Helge Rückert:

Nach dem überraschenden Erfolg gegen die SVG Saarbrücken I in der Runde zuvor fuhren wir voller Selbstbewusstsein zum Oberliga-Kampf zu den Schachfreunden Heidesheim.  Da  Heidesheim als Tabellenzweiter und Aufstiegsaspirant übermächtig erschien, dazu in Bestbesetzung antrat, während wir auf Dr. Mario Ziegler an Brett 4 verzichten mussten, rechneten wir nicht mit einem Sieg.  Unser  Ziel war es lediglich, möglichst viele Brettpunkte zu sammeln, um im Kampf gegen den Abstieg die Ausgangssituation gegenüber Mainz II vor der zentralen Schlussrunde in Neuwied zu verbessern.  Doch es sollte anders kommen!

Die ersten beiden Partien gingen früh zu Ende.  Ich  hatte gerade ausgangs der Eröffnung einen schwachen Zug gespielt, der mich in ernsthafte Schwierigkeiten hätte bringen können, als mein Gegner Dirk Loef mit der befürchteten starken Erwiderung überraschend gleichzeitig  Remis anbot – ein Angebot, das ich in Anbetracht meiner misslichen Lage nicht ausschlug.  Loef erklärte mir nach der Partie, dass er eigentlich krankheitsbedingt gar nicht hatte spielen wollen, seine Mannschaftskollegen ihn aber überredet hatten, trotz der Beschwerden anzutreten und möglichst ein frühes Remis zu machen.

Kurz danach endete auch schon die erste entschiedene Partie. Joachim Klein musste dem bärenstarken Nachwuchsspieler Thore Perske gratulieren, der schon eine deutsche Meisterschaft in seiner Altersklasse gewann.  Joachim hatte aufgrund einer Variantenberechnung einen gegnerischen Zug für nicht spielbar gehalten, Fidemeister Thore spielte diesen Zug aber trotzdem: Er hatte noch 2 Züge weiter gerechnet als Joachim.

Danach dauerte es lange,  bis die nächsten Entscheidungen fielen. Unser Team-Captain Johannes Schmidt hatte in einer komplizierten Variante der Katalanischen Eröffnung zwischenzeitlich aufgrund seiner guten Zentralisation Vorteile, musste sich aber nach einer Ungenauigkeit mit einem Remis zufrieden geben. Trotzdem ein gutes Resultat gegen den starken Andreas Haasler.

Jetzt nahm der Kampf langsam Fahrt auf und es ging Schlag auf Schlag. Die Partie von Ersatzmann Viktor Siebert war dabei eher unspektakulär: Viktor zeigte eine sehr solide Leistung, kam gegen Christoph  Klein, der  eine deutlich höhere Wertungszahl  hat, nie in Verlustgefahr und sicherte ein weiteres wichtiges Remis. Nachdem kurze Zeit  später auch die Partie von Christoph Schumacher gegen FM Elmar Karst Remis gegeben wurde (Christoph hatte wohl Stellungsvorteile, aber auch deutlich weniger Zeit als sein Gegner), lag Illingen zwar immer noch knapp zurück, aber es bestand Grund zur Hoffnung auf eine kleine Sensation:  Boris Traub hatte seinen Gegner Steffen  Enzmann  immer ganz gut im Griff und gewann schließlich, da der vermeintliche taktische Bauernrückgewinn durch Enzmann nicht funktionierte und von Boris taktisch ausgekontert wurde.

Also Gleichstand, und es liefen noch zwei Partien. Die Partie des Tages spielte an Brett 1  Frank gegen FM  Johannes Carow, den stärksten Spieler der Liga, der bis dahin an Brett 1 in der ganzen Saison nur ein Remis abgegeben hatte. Schon nach wenigen Zügen entwickelte sich ein hochtaktisches Gefecht mit ungewöhnlichen, äußerst komplizierten Stellungsbildern und Varianten (frühzeitig befand sich ein Bauer von Frank auf der 7. Reihe!), über deren objektive Einschätzung sicher nur Computer eine verlässliche Auskunft geben können. Frank opferte irgendwann einiges an Material, um dem gegnerischen König nachzustellen. Als noch ca. 10 Züge bis zur Zeitkontrolle ausstanden, hatten beide Spieler nur noch Sekunden auf der Uhr und lebten vom 30-Sekunden-Bonus. Und die Stellung war nach wie vor hochkompliziert.  Da Carow selbst bei dieser knappen Zeit eine siebenzügige (!) Gewinnmöglichkeit für Frank sah, gab er sich mit Remis zufrieden, das Frank, der den möglichen Gewinn (zumindest noch) nicht gesehen hatte,  guten Gewissens annehmen konnte,  denn in der einzig noch verbliebenen Partie hatte Club-Präsident Thomas Biehler nach lange Zeit unklarem und schwierigem Partieverlauf inzwischen eine Gewinnstellung erreicht.  Diese verwandelte er dann auch kurze Zeit später mit einer Reihe sehr kraftvoller und sehr ästhetischer Züge zum Sieg.

Die Sensation war perfekt! Illingen hatte in einem tollen Kampf den haushohen Favoriten bezwungen! Rein rechnerisch ist zwar immer noch der Abstieg möglich, aber im letzten Kampf gegen Mainz reichen uns schon 1,5 Brettpunkte, um endgültig den Klassenerhalt zu sichern, ohne darauf angewiesen zu sein, wie andere Mitkonkurrenten spielen werden.  Und bei der derzeitigen Form der Illinger Truppe sollten 1,5 Brettpunkte wirklich drin sein!

Duo infernale: Thomas Biehler (vorn) und Boris Traub