In Schwarzenbach gut gekämpft

Oberligist Turm I verlor in Schwarzenbach äußerst knapp. Hendrik Tabatt, amtierender Landesmeister, veröffentlichte auf der Homepage seines Clubs einen Bericht über die Begegnung. Der enthält so viel Positives über den unterlegenen Gegner, dass er mit Billigung des Autors hier abgedruckt wird.

Knapper Sieg im Derby

Am 5. Spieltag der OSW kam es seit längerer Zeit mal wieder zu einem Aufeinandertreffen mit Illingen. Nach 2-jähriger Oberliga-Abstinenz stiegen unsere Freunde aus dem Mittelsaarland letzte Saison aus der Saarlandliga erfreulicherweise wieder auf. Noch erfreulicher ist, dass auch wieder viele frühere Stammspieler zurückgekehrt sind, was die Mannschaft wieder absolut Oberliga-tauglich macht.

Dementsprechend stellten wir uns auf ein enges Match ein und waren froh, in guter Besetzung antreten zu können.

Im Einzelnen spielten wir:


 

  1. Frischmann, Rick  –  Mayer, Frank                   remis
  2. Müller, Ronny       –  Klein, Joachim                  1:0
  3. Oberhofer, Andre  –  Schmidt, Johannes            0:1
  4. Tabatt, Hendrik      –  Ziegler, Mario                 1:0
  5. Weller, Manuel      –  Schumacher, Christoph      1:0
  6. Fries, Freddy         –  Rückert, Helge                remis
  7. Wild, Achim           –  Traub, Boris                    0:1
  8. Grewenig, Jan       –  Biehler, Thomas               remis

Ergebnis: Caissa Schwarzenbach – Turm Illingen 4,5 – 3,5

Wie so oft in letzter Zeit war unser Start ins Match mehr als gelungen: Mir gelang gegen Mario, der etwas passiv angelegt hatte, ein Angriffssieg in 28 Zügen. Der war zwar nicht hundertprozentig glatt herausgespielt – nach einer Ungenauigkeit von mir stand Mario zumindest kurzzeitig völlig intakt – aber insgesamt war ich diesmal zufrieden mit der Partie. Noch schneller gewann aber Ronny, der Joachim Klein nach 20 Zügen zur Aufgabe brachte. Dabei misslang Joachim mit Schwarz die Partieanlage, was Ronny souverän zum Sieg nutzte.

Einige Zeit später erhöhte Manuel auf 3:0. Gegen Christoph Schumacher nahm er sich in der Eröffnung einen Bauern, für den nie so recht Kompensation ersichtlich war. Als sich die schwarze Stellung immer weiter verstärkte, opferte Weiß schließlich noch eine Qualität, um ein paar aktive Felder zu erhalten. Allerdings brachte das auch keine wirkliche Verbesserung, und nach 30 Zügen hatte Manuel den vollen Punkt geholt.

Mit einer 3:0-Führung im Rücken spielt es sich normalerweise befreit, aber es sollte noch eng werden:

Jan erreichte in einer umkämpften Partie gegen Thomas Biehler ein besseres Endspiel. Bis dahin ein sehr starker Vortrag von Jan gegen den ehemaligen saarländischen Spitzenmann. Hier ließ er aber an mindestens einer Stelle den Gewinn aus und remisierte schließlich. Nach einer guten Partie und mit Blick auf den Spielstand immer noch ein gutes Ergebnis.

Danach kamen wir aber noch in Bedrängnis:

Eine spektakuläre Partie lieferte sich Andre – die schwarzen Steine führend –, mit Johannes Schmidt. Mit den letzten paar Zügen der Begegnung ließen sich ganze „Taktik-Bücher“ füllen.

Auch in der anschließenden längeren Analyse wurde keine Wahrheit gefunden. Da kann man es von dem sich in Zeitnot befindenden Spieler am Brett auch kaum verlangen, aber fürs Protokoll:

Andre hatte intuitiv korrekt geopfert und stand auf Gewinn. Nach Beendigung der Zeitnotphase war die Position allerdings wieder remis und Andre gezwungen, eine Zugwiederholung herbeizuführen. Das war auf verschiedene Weise möglich, nur leider unterlief ihm beim Versuch, noch etwas „auszureizen“, ein Fingerfehler, der die direkte Niederlage einbrachte. Das war bitter für Andre und uns, aber es bleibt trotzdem eine großartige Partie in Erinnerung.

Der neue Zwischenstand war also 3,5 – 1,5, und auf einmal war es nicht mehr so klar:

Achim stand gegen Boris Traub durchaus bedenklich. Der hatte in einer positionell stark geführten Partie die Qualität für „Dominanz“ geopfert, und Achim kam nicht so recht zum Zuge. In der schwierigen Stellung verteidigte Achim lange Zeit präzise, aber Boris blieb am Drücker  und fuhr letztlich verdient den ganzen Punkt ein.

Nach dem Anschlusstreffer für Illingen lag entsprechender Druck auf Freddy und Rick, die zwar beide nicht schlecht standen, aber klar war da eben auch noch nichts.

Freddy war etwas nachteilhaft aus der Eröffnung gekommen, drehte dann aber in kleinen Schritten die Partie zu seinen Gunsten. Als sein Vorteil schließlich handfest wurde, leistete er sich eine Ungenauigkeit, und Helge war wieder im Spiel. Dieser interpretierte die Stellung dann richtig und beschäftigte Freddy mit seinen aktiven Springern, bis sich schließlich beidseitig in die Zugwiederholung gefügt wurde.

Mannschaftstechnisch gut, denn nun stand es 4:3, und Rick hatte keinen Druck mehr, auf den vollen Punkt gehen zu müssen. Mit den schwarzen Steinen landete er gegen Frank Mayer in einem etwas schlechteren Endspiel, zeigte dort aber seine Qualitäten: Zug für Zug kippte die Stellung in unsere Richtung. Als schließlich die Gewinnposition für Rick erreicht war – ganz elementar war‘s aber noch nicht –, entschied er sich bei knapper Bedenkzeit mannschaftsdienlich für ein Dauerschach und stellte unseren Sieg sicher! So muss das sein, auch wenn Rick sicher gerne den Sieg für sich mitgenommen hätte.

Unterm Strich war das verdient für uns. Ein paar halbe Punkte haben wir liegen lassen, aber den Mannschaftssieg mitgenommen.

Illingen hinterließ auf mich einen starken Eindruck, und ich bin sicher, dass sie ihr Ziel, die Klasse zu halten, erreichen werden.

Nach dem Spiel knüpften wir an eine alte Tradition an und gingen mit den Illingern zusammen essen. Das war damals eine schöne Sache, und ist es heute noch. Ich hoffe, dass wir das auch in Zukunft so beibehalten.



Rückblick: SEM 2014, Runde 5. Ganz links der spätere Landesmeister Hendrik Tabatt, hier im Match gegen seinen Vereinskameraden Ronny Müller. Im Hintergrund Herbert Bastian, Präsident des Deutschen Schachbundes, im Gespräch mit Waldschrat Hubertus