Jubel über die U20

Submitted by Wolfgang Weber on Do, 11/29/2018 - 09:19
U20

Für den Turm-Vorsitzenden Dennis Feidt war klar: „Wer heute gewinnt, wird Landesmeister!“  Die beiden stärksten Teams der U20 standen sich gegenüber: Hier die als Top-Favorit gestartete SVG Saarbrücken, dort die SG Illingen/Eppelborn. Beim Hinspiel in Saarbrücken überraschte die Spielgemeinschaft Illingen/Eppelborn trotz ihrer fehlenden Nummer 1,  Luca Zimmer,  mit einer 2:2 Punkteteilung. Beim Heimspiel in Eppelborn war Luca jetzt aber dabei. Zwar ist Luca amtierender Landesmeister der U20, doch sein Gegner Nicolas Schäfer hat eine DWZ von 1845 – genau 150 Punkte mehr als Luca. Überhaupt hat das Quartett aus Saarbrücken im Schnitt eine um 300 Punkte höhere DWZ.
Von Fußballtrainer Alfred  „Adi“  Preißler stammt der Ausspruch: „Grau is im Leben alle Theorie,  aber entscheidend is aufm Platz!“ Übertragen aufs Schach: Entscheidend is aufm Brett! Und im U20-Spitzenkampf sah das dann so aus:  Der Illinger Jonas Feidt holte als erster gegen Elias Schmied ein Remis, Vereinskamerad Felix Schuh aber hatte eine Figur eingestellt und musste seinem Gegner Meikel Jenner gratulieren.  Nach zwei Spielen 1,5:0,5  für die SVG Saarbrücken, klarer Vorteil  also für die Hauptstädter. Nur mit Siegen an den Brettern 1 und 2 konnte die SG Illingen/Eppelborn noch Meister werden, ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen. Doch der Illinger Luca Zimmer und der Eppelborner Marvin Grob machten ihre Sache prima, hatten auch das notwendige Quäntchen Glück. Luca profitierte von einem Patzer seines Gegners Nicolas Schäfer, der eine Figur kostete. Heiß ging’s her an Brett 2, mit glücklichem Ausgang für Marvin. „Mein Gegner Roman Joeres hatte sich eine taktische Wendung ausgedacht, die mich echt überraschte. Aber ich fand eine starke Antwort, die mir spielentscheidenden Vorteil brachte!“
2,5:1,5 am Ende, Riesenjubel auf Seiten des Quartetts aus der Provinz. Gerade in Illingen werden Erinnerungen wach: In den Achtzigern und Neunzigern war der SC Turm Hochburg im Jugendschach. Es hagelte Einzel- und Mannschaftstitel.  Illingens Ausnahmespieler Thomas Biehler wurde 1986 Deutscher Meister der A-Jugend. Bereits ein Jahr später, mit 19 Jahren, ließ er der etablierten Konkurrenz keine Chance und holte den Titel  im saarländischen Meister-A-Turnier. Und schon im Folgejahr kürte sich in diesem Turnier Turm-Spieler Boris Traub, ebenfalls mit 19, zum Nachfolger von Thomas.  Boris fand, wie das Gros des Turm-Nachwuchses, über die Neigungsgruppe Schach des Illtal-Gymnasiums (IGI) den Weg in den Verein. Leiter dieser Neigungsgruppe war IGI-Lehrer Wolfgang Weber, lange Vorsitzender, heute Ehrenvorsitzender des SC Turm. Für Weber steht fest: „Dank seiner jungen Wilden schaffte es der Dorfverein SC Turm in die Oberliga!“
Die Sportwelt huldigt ihren jungen Helden. Alles stand Kopf, als Boris Becker  im Alter von 17 Jahren Wimbledon gewann. Aber es gibt kaum eine Sportart, in der der Sprung an die Spitze so früh gelingt wie im Schach. Magnus Carlsen war mit 14 Jahren Schach-Großmeister, mit 22 Jahren war er Weltmeister.  Auch sein ein Jahr jüngerer Heausforderer Fabiano Caruana war mit 14 Großmeister.  Ganz Norwegen saß vorm Fernseher, als Carlsen mit Bravour in der Schnellschach-Entscheidung seinen Titel  verteidigte.
Links auf dem Foto die glücklichen Sieger: Jonas Feidt, Felix Schuh, Marvin Grob und Luca Zimmer