Gelähmt vor Angst, aber technisch perfekt!

Submitted by Wolfgang Weber on Fr, 11/23/2018 - 18:06
Carlsen vs Caruana

So könnte man nach Ansicht von Andreas Hauer, Stütze des SC Turm, die Situation von Caruana nach der zehnten Partie zusammenfassen. Hier die Begründung von Andreas:
"Wie in der achten Partie patzte Caruana im 24. Zug. Schon der Anfänger lernt, dass man nur im äußersten Notfall die Bauernkette vor dem König durch einen Bauernzug schwächt und eher nach aktivem Gegenspiel suchen soll.
Natürlich darf in einem Weltmeisterschaftskampf in einer konkreten Stellung nicht nur aufgrund allgemeiner Prinzipien geurteilt werden. Aber wenn man sieht, dass alle Figuren von Caruana den König in der Verteidigung potentiell unterstützen, dann sollte man erwarten, dass ein Spitzenspieler und ausgewiesener Rechenkünstler wie Caruana tief in die Stellung schaut, um in der Vorausschau die (nicht zu schwierigen) richtigen Verteidigungszüge zu entdecken.
Aber was macht Caruana? Einmal kommt 24. h3 (Partie 8) und in der Partie 10 zieht er 24. g3, was fast noch schlimmer ist, weil er aus Partie 8 nichts gelernt hat.
Diese Aussetzer sind eigentlich nur psychologisch zu erklären. Caruana scheint Carlsen jeden gefährlich aussehenden Angriffsversuch zu glauben und versucht dann bei der kleinsten Unsicherheit (Hilfe, es könnte ja eine Niederlage herausspringen) gar nicht mehr ernsthaft, aktive Ressourcen zu finden, um seinen Vorteil zu zementieren. Eine bekannte Schwäche von Amateuren, aber auf diesem Niveau?
Trotzdem wünsche ich Caruana den Sieg, denn Carlsen geht noch viel weniger ein Risiko ein (siehe die erste Partie) und ist schachlich nicht ganz auf Augenhöhe von Caruana".
Andreas hat sich, wie viele andere, mehr von dieser WM versprochen. Für ihn ist sie "Schattenboxen auf höchstem Niveau. Leider".